15.09.2026 · Von Christian Jansen

Kartenzahlung annehmen: So kommst Du zur ersten Zahlung

Kurz zusammengefasst:

  • Zwischen „ich will Karten annehmen“ und der ersten Zahlung liegen fünf Schritte. Der langsamste ist nicht die Lieferung des Geräts, sondern die Prüfung Deiner Identität durch den Anbieter.
  • Der Einstieg kann 0 € kosten. Tap to Pay macht aus Deinem Smartphone das Terminal, ohne Gerät und ohne Grundgebühr. Ein eigenes Lesegerät gibt es ab 29 €.
  • Du brauchst: eine Gewerbeanmeldung oder einen freiberuflichen Status, ein Konto auf den Betrieb, einen Ausweis und je nach Rechtsform einen Registerauszug.
  • Die einzige Entscheidung, die sich schwer zurücknehmen lässt, ist die Laufzeit. Angebote im Markt reichen von „jederzeit kündbar“ bis zu 60 Monaten Bindung.
  • Ein reines Kartenterminal braucht keine TSE. Der Terminal-Beleg ersetzt aber nicht den Kassenbon.

Kartenzahlung anzunehmen ist heute kein Projekt mehr, sondern eine Bestellung. Trotzdem stolpern die meisten an denselben Stellen, und fast keine davon hat mit Technik zu tun. Dieser Text geht den Weg einmal komplett durch: was Du vorher brauchst, wie die Anmeldung abläuft, was in der ersten Woche wichtig ist und welche Pflichten das Finanzamt daran knüpft. Welcher Anbieter der richtige ist, entscheiden wir hier bewusst nicht, das hängt an Deinen Zahlen. Alle Konditionen mit Stand 27.08.2026; das Prüfdatum je Anbieter zeigt Dir der Rechner.

Was Du brauchst, bevor Du überhaupt bestellen kannst

Zahlungsanbieter sind keine Elektronikhändler. Sie fallen unter das Geldwäschegesetz und müssen wissen, wer da Geld über ihre Systeme bewegt. Deshalb ist die Anmeldung kein Bestellvorgang, sondern eine Aufnahmeprüfung. Wer die Unterlagen vorher beisammen hat, spart sich die längste Wartezeit im ganzen Prozess.

Der Punkt: Fordert der Anbieter eine dieser Angaben nach, beginnt die Prüfung oft von vorn. Das ist der Grund, warum manche Betriebe drei Tage und manche drei Wochen warten, obwohl es derselbe Anbieter ist.

Die fünf Schritte

  1. Entscheiden, wie Du kassieren willst. Handy allein, eigenes Lesegerät oder Terminal mit Bondrucker. Diese Frage kommt zuerst, weil sie die Anbieterauswahl halbiert.
  2. Anbieter und Tarif wählen. Hier fällt auch die Entscheidung über die Laufzeit, und die ist die einzige, die Du später kaum noch drehen kannst.
  3. Anmelden und legitimieren. Konto hinterlegen, Ausweis prüfen lassen, Unterlagen hochladen.
  4. Gerät einrichten und testen. Eine echte Zahlung an Dich selbst, dann eine Rückerstattung. Beides, bevor der erste Kunde davorsteht.
  5. Auszahlung kontrollieren. Kommt der erste Betrag an, und stimmt er mit der Anzeige des Terminals überein?

Schritt vier wird am häufigsten übersprungen und rächt sich am schnellsten. Eine Testzahlung kostet Dich die Gebühr auf ein paar Euro und zeigt Dir vorher, ob der Bondrucker Papier hat, ob das Gerät ins Netz kommt und wie eine Stornierung geht.

Was der Einstieg mindestens kostet

Drei Wege in den Markt, und sie unterscheiden sich vor allem darin, was Du am Anfang ausgibst.

Weg Einmalig Pro Monat Pro Zahlung Bindung
Tap to Pay auf dem eigenen Handy 0 € 0 € ab 0,89 % keine
Eigenes Lesegerät, gekauft 29 € bis 279 € 0 € 1,23 % bis 1,39 % keine
Terminal mit Laufzeitvertrag 0 € bis 50 € 0 € bis 18,90 € ab 0,24 % 24 bis 60 Monate

Die dritte Zeile ist die, bei der die meisten zu früh oder zu spät zugreifen. Ein niedriger Prozentsatz lohnt sich erst ab einem gewissen Umsatz, weil die Grundgebühr jeden Monat läuft, egal ob Du kassierst. Umgekehrt zahlt ein gut laufender Laden mit 1,39 % auf alles im Jahr schnell mehrere hundert Euro zu viel.

Rechne es mit Deinen eigenen Zahlen durch, das dauert eine Minute und ersetzt jede Faustregel:

Kostenrechner

Was kostet Kartenzahlung bei deinem Umsatz?

8.000 €
35 €
70 % girocard

Der Rest läuft als Kreditkarte. Im deutschen Handel sind 60–80 % girocard typisch.

Gerätetyp
Vertragsbindung
Feineinstellungen
Ich rechne über 24 Monate

Legt fest, über wie viele Monate Geräte- und Anschlussgebühren umgelegt werden.

Angenommene Kundenstruktur

Eine Annahme, keine Messung deines tatsächlichen Kartenmix: Sie verteilt nur den Nicht-girocard-Anteil auf Kreditkarte, Firmenkarte und Karten von außerhalb des EWR. Details auf der Methodik-Seite.

    Steht „ab" vor dem Preis, fehlt uns eine Angabe, die ins Gewicht fällt. Am häufigsten ist das die Mindestgebühr je Kartenzahlung oder pro Monat, dazu kommen der Aufschlag für Firmenkarten und der Aufschlag für Karten von außerhalb des EWR. Diese Angaben veröffentlicht längst nicht jeder Anbieter. Wir schätzen sie nicht, sondern fragen bei den Anbietern nach; wie wir damit umgehen, steht unter So vergleichen wir.

    Gesamtkosten pro Monat = Grundgebühr + Disagio auf deinen Kartenmix + Transaktionsgebühren + feste Monats- und Jahresgebühren, dazu Gerätepreis und Anschlussgebühr anteilig auf den gewählten Betrachtungszeitraum umgelegt (Vorgabe 24 Monate, einstellbar unter Feineinstellungen). Bleibt dein Umsatz unter dem Mindestumsatz eines Tarifs, rechnen wir die Gebühr dafür anteilig mit. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand der Konditionen siehe Anbieterseite.

    Die Laufzeit ist die eigentliche Entscheidung

    Gerätepreise kannst Du abschreiben, Prozentsätze verhandeln, Anbieter wechseln. Eine Vertragsbindung sitzt Du ab. Und die Spannweite im Markt ist größer, als man vermutet: Sie reicht von Tarifen ohne jede Bindung bis zu 60 Monaten, also fünf Jahren.

    Dazu kommt eine Lehre aus unseren Anbieterprüfungen, die Du kennen solltest, bevor Du unterschreibst: Bei sechs von zwölf geprüften Anbietern widersprechen die AGB der Produktseite, und zwar immer in dieselbe Richtung. Die Website klingt flexibler und günstiger als der Vertrag. Ein Anbieter wirbt mit „keine Vertragsbindung“ und nennt in seinen AGB 36 Monate Kündigungssperrfrist.

    Der praktische Rat daraus ist unspektakulär und hilft trotzdem am meisten: Lass Dir Laufzeit, Prozentsatz und Kündigungsfrist im Angebot schriftlich bestätigen, bevor Du zusagst. Wenn ein Anbieter das nicht will, weißt Du auch etwas.

    Achte auf Mindestumsätze

    Manche Verträge verlangen einen Mindestumsatz je Monat und Terminal. Bleibt der Umsatz darunter, wird eine Pauschale fällig, in einem Fall im Markt 50 € für jeden Monat unter 2.000 €. Für einen Saisonbetrieb ist das die teuerste Zeile im ganzen Vertrag, und sie steht meist nicht auf der Preisseite, sondern in den AGB.

    Was das Finanzamt von Dir will

    Hier hält sich hartnäckig eine Sorge, die unbegründet ist. Ein reines Kartenterminal ist kein elektronisches Aufzeichnungssystem und braucht deshalb keine technische Sicherheitseinrichtung. Es zeichnet keine Umsätze auf, es wickelt eine Zahlung ab. Erst wenn eine Kassen-App dazukommt, die Deine Verkäufe erfasst, greift die Pflicht.

    Zwei Dinge gelten trotzdem von Anfang an: Der Beleg aus dem Terminal ist ein Zahlungsbeleg und ersetzt den Kassenbon nicht, und Kartenumsätze gehören genauso in Deine Aufzeichnungen wie Bargeld, und zwar brutto, mit der Gebühr als eigener Betriebsausgabe statt als stillem Abzug.

    Beides ausführlich, mit Rechtsstand und Quellen, steht in Kartenterminal und TSE-Pflicht und in Kartenzahlungs-Gebühren absetzen und richtig verbuchen. Das hier ist keine Rechts- oder Steuerberatung, und bei einer Kassenführung, die schon jetzt wacklig ist, ist ein Steuerberater die günstigere Variante.

    Die erste Woche: fünf Dinge, die schiefgehen

    Und dann?

    Nach zwei, drei Monaten hast Du etwas, das Du vorher nicht hattest: echte Zahlen. Wie hoch ist Dein Kartenanteil wirklich, wie hoch der Durchschnittsbon, wie viel läuft über Debit- und wie viel über Kreditkarten. Erst dann lässt sich sagen, ob Dein Tarif passt. Rechne es einmal nach, und wenn ein Wechsel sich lohnt, findest Du den Ablauf in Kartenzahlungs-Anbieter wechseln.

    Die Anbieter im Einzelnen stehen in der Anbieter-Übersicht, die Typen und ihre Logik in Kartenzahlung-Anbieter im Vergleich, und wenn Du mit dem Handy starten willst, in Handy als Kartenterminal. Wie wir rechnen und warum wir keinen Testsieger küren, steht unter So vergleichen wir.

    Häufige Fragen zum Annehmen von Kartenzahlung

    Was brauche ich, um Kartenzahlung anzunehmen?

    Eine Gewerbeanmeldung oder einen freiberuflichen Status, ein Konto, das auf den Betrieb läuft, ein Ausweisdokument der vertretungsberechtigten Person und bei GmbH, UG oder eingetragenem Verein einen Registerauszug. Dazu Deine Steuernummer. Ein Gerät brauchst Du nicht zwingend, moderne Smartphones können die Karte selbst lesen.

    Wie lange dauert es, bis ich kassieren kann?

    Das hängt fast ausschließlich an der Prüfung Deiner Identität und Deiner Unterlagen, nicht am Versand. Vollständige Angaben beim ersten Versuch sind der größte Zeitgewinn. Fehlt eine Angabe, beginnt die Prüfung häufig von vorn.

    Was kostet der Einstieg mindestens?

    Mit Tap to Pay auf einem geeigneten Smartphone kostet der Einstieg 0 € an Anschaffung und Grundgebühr, Du zahlst nur pro Zahlung. Ein eigenes Lesegerät gibt es ab 29 €. Tarife mit Grundgebühr kosten je nach Gerät bis zu 18,90 € im Monat und lohnen sich erst ab einem gewissen Kartenumsatz.

    Brauche ich ein Geschäftskonto?

    Nicht bei jedem Anbieter. Verlangt wird ein Konto, das zum Vertragspartner passt, also auf Deinen Betrieb oder auf Dich als Einzelunternehmerin oder Einzelunternehmer läuft. Ein Konto einer anderen Person wird nicht akzeptiert.

    Braucht mein Kartenterminal eine TSE?

    Ein reines Kartenterminal nicht, weil es kein elektronisches Aufzeichnungssystem ist. Sobald eine Kassen-App dazukommt, die Deine Verkäufe erfasst, sieht das anders aus. Der Terminal-Beleg ersetzt in keinem Fall den Kassenbon.

    Darf ich einen Mindestbetrag für Kartenzahlung festlegen?

    Die Frage ist keine gesetzliche, sondern eine vertragliche: Die Kartenregeln der Anbieter unterscheiden sich hier. Was das im Alltag heißt und wo die Grenze zum Aufschlag verläuft, haben wir in einem eigenen Beitrag auseinandergenommen.