11.08.2026 · Von Tobias Rehermann

Mollie versus SumUp am POS: Der girocard-Faktor entscheidet

Kurz zusammengefasst:

  • Auf dem Papier wirkt Mollie günstiger (Pro-Tarif: 0,10 € + 0,85 % auf inländische Verbraucherkarten gegen 1,39 % bei SumUp), doch Mollie-Terminals akzeptieren keine girocard. In einem Land, in dem je nach Branche 60 bis 80 Prozent der Kartenzahlungen im Handel über diese Karte laufen, ist der Vergleich für viele Läden damit entschieden, bevor er beginnt.
  • Selbst im Mollie-freundlichsten Szenario, einem Touristen-Café mit nur 20 % girocard-Anteil, gewinnt SumUp den reinen Preisvergleich: 139 € gegen rund 207 € bei Mollie Pro, weil ausländische Karten dort 1,50 % plus Fixbetrag kosten und damit über SumUps Einheitssatz liegen.
  • Der praktische Haken wiegt schwerer als jede Gebühr: Reine girocards ohne internationales Co-Badge werden am Mollie-Terminal abgelehnt, im Dorfladen-Szenario beträfe das vier von fünf Kartenzahlungen. Bei SumUp lohnt ab etwa 3.200 € Umsatz mit inländischen EC- und Kreditkarten im Monat der Wechsel zum Abo Zahlungen Plus (0,79 % statt 1,39 %).
  • Mollie bleibt die passendere Wahl, wenn Deine Kundschaft nachweislich überwiegend international zahlt, etwa im Hotel oder in der Städtereise-Gastronomie, oder wenn bereits ein Online-Shop über Mollie läuft und Laden plus Web in einem Backend mit einer Auszahlung zusammenlaufen sollen.

Wer nur die Preislisten nebeneinanderlegt, hält den Fall für klar: Mollie verlangt im Pro-Tarif 0,10 € + 0,85 % auf inländische Verbraucherkarten, SumUp im Standard-Tarif 1,39 % auf alles. Auf dem Papier ist Mollie günstiger, doch Mollie-Terminals akzeptieren keine girocard, und in einem Land, in dem je nach Branche 60 bis 80 Prozent der Kartenzahlungen im Handel über genau diese Karte laufen, ist der Vergleich für viele Läden schon entschieden, bevor er überhaupt beginnt. Wir rechnen beide Anbieter im Folgenden ehrlich durch und zeigen, in welchen Fällen Mollie trotzdem die passendere Wahl bleibt. Alle Konditionen mit Stand 05.07.2026 (Mollie) und 17.09.2026 (SumUp).

Quellen: mollie.com/de/produkte/terminals, sumup.com. Preise können sich ändern, wir prüfen sie im festen Turnus nach.

Wenn Du direkt mit Deinen eigenen Zahlen rechnen willst: In unserem Rechner findest Du SumUp und die übrigen girocard-fähigen Anbieter. Mollie fehlt dort bewusst, weil unser Modell mit einem girocard-Anteil rechnet und Mollie damit systematisch zu günstig erscheinen würde.

Kostenrechner

Was kostet Kartenzahlung bei deinem Umsatz?

8.000 €
35 €
70 % girocard

Der Rest läuft als Kreditkarte. Im deutschen Handel sind 60–80 % girocard typisch.

Gerätetyp
Vertragsbindung
Feineinstellungen
Ich rechne über 24 Monate

Legt fest, über wie viele Monate Geräte- und Anschlussgebühren umgelegt werden.

Angenommene Kundenstruktur

Eine Annahme, keine Messung deines tatsächlichen Kartenmix: Sie verteilt nur den Nicht-girocard-Anteil auf Kreditkarte, Firmenkarte und Karten von außerhalb des EWR. Details auf der Methodik-Seite.

    Steht „ab" vor dem Preis, fehlt uns eine Angabe, die ins Gewicht fällt. Am häufigsten ist das die Mindestgebühr je Kartenzahlung oder pro Monat, dazu kommen der Aufschlag für Firmenkarten und der Aufschlag für Karten von außerhalb des EWR. Diese Angaben veröffentlicht längst nicht jeder Anbieter. Wir schätzen sie nicht, sondern fragen bei den Anbietern nach; wie wir damit umgehen, steht unter So vergleichen wir.

    Gesamtkosten pro Monat = Grundgebühr + Disagio auf deinen Kartenmix + Transaktionsgebühren + feste Monats- und Jahresgebühren, dazu Gerätepreis und Anschlussgebühr anteilig auf den gewählten Betrachtungszeitraum umgelegt (Vorgabe 24 Monate, einstellbar unter Feineinstellungen). Bleibt dein Umsatz unter dem Mindestumsatz eines Tarifs, rechnen wir die Gebühr dafür anteilig mit. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand der Konditionen siehe Anbieterseite.

    Mollie und SumUp im direkten Vergleich

      Mollie SumUp
    Einstiegsgerät Tap-Terminal, 95 € Solo Lite, 34 € netto
    Weitere Geräte PAX A920Pro und PAX A35, je 350 € (Listenpreis 550 €) Solo 79 €, Solo und Mobildrucker 109 € (netto)
    Tarif ohne Grundgebühr Pay as you go: 1,50 % inländische Verbraucherkarten, 1,80 % sonstige, 2,10 % Amex, 2,90 % Geschäftskarten Standard: 1,39 % auf alle Karten
    Tarif mit Grundgebühr Pro, 20 €/Monat: 0,10 € + 0,85 % / 1,50 % / 1,80 % / 2,50 % Zahlungen Plus, 19 €/Monat (199 €/Jahr, also 16,58 €/Monat): 0,79 % inländische EC- und Kreditkarten, 1,39 % Premium-Karten, American Express und internationale Karten
    girocard Nein Ja
    Vertragsbindung Pay as you go keine, Pro 1 Jahr, je weiteres Terminal +20 €/Monat Standard keine, Zahlungen Plus monatlich kündbar oder 12 Monate bei Jahreszahlung

    Beide Anbieter veröffentlichen ihre Konditionen vollständig, das ist in dieser Branche erfreulich. Die Details zu Mollies Geräten, Auszahlungsrhythmus und der nicht bezifferten Chargeback-Gebühr stehen im Mollie-Terminal-Check, alles zu SumUps Geräten und Tarifen im SumUp-Check.

    Warum die 0,85 % weniger wert sind, als sie aussehen

    Der Mollie-Kampfpreis von 0,10 € + 0,85 % gilt nur für inländische Verbraucherkarten, also für Karten deutscher Banken. Und genau hier liegt das Paradox: Je deutscher Deine Kundschaft, desto höher ihr girocard-Anteil, und desto weniger kann Mollie von diesen Zahlungen überhaupt verarbeiten. Reine girocard-Karten ohne internationales Co-Badge werden am Mollie-Terminal schlicht abgelehnt, Karten mit V Pay-, Maestro- oder Debit-Mastercard-Logo laufen zwar durch, aber eben über das internationale Netz.

    Umgekehrt zahlt internationale Kundschaft mit ausländischen Karten, und die fallen bei Mollie unter „sonstige Verbraucherkarten“: 1,80 % im Pay-as-you-go-Modell, 0,10 € + 1,50 % im Pro-Tarif. Gegen SumUps pauschale 1,39 % ist das kein Vorteil mehr. Der Tarif, mit dem Mollie auf dem Papier gewinnt, zielt auf ein Kundensegment, das in Deutschland überwiegend girocard zahlt. Das ist der Kern dieses Vergleichs.

    Szenario 1: Das Touristen-Café mit 20 % girocard-Anteil

    Ein Café in einer Altstadt-Lage, 10.000 € Kartenumsatz im Monat, Durchschnittsbon 20 €, also rund 500 Kartenzahlungen. Angenommen, nur 20 % des Umsatzes entfallen auf girocard-affine Stammkundschaft, 80 % auf internationale Gäste mit Visa, Mastercard und Wallets.

    SumUp Standard rechnet stur 1,39 % auf alles: 139 € im Monat, keine Grundgebühr. Bei Mollie Pro landen die 8.000 € internationaler Karten im Satz von 1,50 % (120 €), die 2.000 € deutscher Karten laufen, Co-Badge vorausgesetzt, für 0,85 % (17 €). Dazu kommen 500 mal 0,10 € Fixbetrag (50 €) und 20 € Grundgebühr, zusammen rund 207 €. Selbst Pay as you go liegt mit etwa 174 € noch über SumUp. Sogar im Mollie-freundlichsten Szenario gewinnt SumUp also den reinen Preisvergleich, weil ausländische Karten bei Mollie teurer abgerechnet werden als bei SumUps Einheitssatz. Mollies Argument ist hier nicht der Preis, sondern das Backend: Wer seinen Online-Shop bereits über Mollie abwickelt, bekommt Laden- und Web-Zahlungen in einer Abrechnung. Das Abo Zahlungen Plus hilft hier nicht: Die 0,79 % gelten nur für inländische EC- und Kreditkarten, auf den 2.000 € girocard-Umsatz sparst Du 12 €, zahlst aber 19 € Abogebühr.

    Szenario 2: Der Dorfladen mit 80 % girocard-Anteil

    Ein Lebensmittelladen auf dem Land, 6.000 € Kartenumsatz, Durchschnittsbon 15 €, 80 % girocard-Anteil. Hier lohnt sich zuerst ein Blick darauf, was „keine girocard-Akzeptanz“ praktisch bedeutet: Vier von fünf Kartenzahlungen kämen über die girocard. Kundinnen und Kunden, deren Bankkarte kein internationales Co-Badge trägt, stehen am Mollie-Terminal mit einer abgelehnten Karte an der Kasse und müssen bar zahlen oder gehen. Das ist kein Gebührennachteil, das ist ein Umsatzrisiko bei jeder einzelnen Transaktion.

    Bei SumUp läuft derselbe Monat unspektakulär durch: Standard kostet 83,40 € (1,39 % auf 6.000 €). Mit dem Abo Zahlungen Plus wird es rechnerisch günstiger: 4.800 € girocard zu 0,79 % (37,92 €), die übrigen 1.200 € vorsichtig zu 1,39 % gerechnet (16,68 €), plus 19 € Grundgebühr, zusammen rund 73,60 €. Sind darunter inländische Kreditkarten, gilt auch für sie 0,79 %, und es wird noch etwas günstiger. Die Faustformel: Zahlungen Plus rechnet sich ab etwa 3.200 € Umsatz mit inländischen EC- und Kreditkarten im Monat, der Dorfladen liegt allein mit 4.800 € girocard klar darüber. Ein ernsthafter Mollie-Vergleich findet in diesem Szenario schlicht nicht statt.

    Nimm Mollie, wenn…

    Dann findest Du Geräte und Konditionen direkt bei Mollie.

    Nimm SumUp, wenn…

    Das Starterpaket gibt es direkt bei SumUp. Wie sich beide gegen Zettle, myPOS und Co. schlagen, zeigt der Kartenzahlung-Anbieter-Vergleich, alle geprüften Anbieter versammelt die Anbieter-Übersicht.

    Häufige Fragen zu Mollie vs. SumUp

    Ist Mollie am Terminal wirklich günstiger als SumUp?

    Nur in einem engen Fall: bei hohem Umsatz mit inländischen Verbraucherkarten und größeren Bons, denn dort greifen die 0,10 € + 0,85 % des Pro-Tarifs. Internationale Karten kosten bei Mollie 1,50 % plus Fixbetrag (Pro) oder 1,80 % (Pay as you go) und liegen damit über SumUps 1,39 %. Rechnet man Grundgebühr und Fixbeträge ein, gewinnt SumUp in vielen realistischen Mischungen, wie unsere beiden Szenarien zeigen.

    Kann meine Kundschaft mit girocard am Mollie-Terminal zahlen?

    Reine girocard-Karten ohne internationales Co-Badge werden abgelehnt. Deutsche Bankkarten mit V Pay-, Maestro- oder Debit-Mastercard-Logo funktionieren, laufen dann aber über das internationale Zahlungsnetz. Bei SumUp wird die girocard regulär akzeptiert und im Abo Zahlungen Plus wie alle inländischen EC- und Kreditkarten mit 0,79 % abgerechnet.

    Was kostet SumUp Zahlungen Plus und ab wann lohnt es sich?

    Zahlungen Plus (früher SumUp One) kostet 19 € im Monat bei monatlicher Kündbarkeit oder 199 € im Jahr, also 16,58 € pro Monat. Dafür sinkt der Satz für inländische EC- und Kreditkarten von 1,39 % auf 0,79 %. Als Faustformel gleicht die Ersparnis von 0,60 Prozentpunkten die 19 € ab etwa 3.200 € monatlichem Umsatz mit inländischen Karten aus, bei Jahreszahlung ab etwa 2.800 €. Premium-Karten, American Express und internationale Karten bleiben bei 1,39 %.

    Wie werden Mollie und SumUp von Händlern bewertet?

    Auf Trustpilot steht SumUp bei 4,2 von 5 Sternen aus 57.290 Bewertungen (Stand 18.09.2026), wobei SumUp aktiv zu Bewertungen einlädt und viele kurze 5-Sterne-Reviews darunter sind. Mollie kommt auf rund 4,0 von 5 aus etwa 12.290 Bewertungen (Stand 05.07.2026), allerdings polarisiert: Rund 11 Prozent vergeben nur einen Stern, häufig wegen verzögerter Auszahlungen und Verifikationsprozessen. Beide Scores taugen als grobe Orientierung, nicht als alleiniges Qualitätsurteil.