7.07.2026 · Von Tobias Rehermann
Kartenzahlung im Einzelhandel: Vom Kiosk bis zur Boutique

Kurz zusammengefasst:
- Im Einzelhandel entscheidet nicht der niedrigste Prozentsatz über Deine Terminal-Kosten, sondern Deine Bon-Höhe: Bei kleinen Bons treiben Stückgebühren und Mindest-Disagios die Kosten, bei großen Bons zählt der Prozentsatz selbst.
- Die größte Falle für Kiosk und Späti ist das Mindest-Disagio: PAYONE setzt im Classic Tarif mindestens 0,25 € pro Zahlung an, auf einem 8-€-Bon sind das rund 3,1 % statt der beworbenen 0,26 %, mit Stückgebühr effektiv über 4 %. Der girocard-Satz greift rechnerisch erst ab etwa 96 € Bon-Höhe.
- Die Beispielrechnungen zeigen die Spannweite: Ein Kiosk mit 2.500 € Kartenumsatz zahlt zwischen 29,75 € (ZahlungsWERK) und über 116 € (PAYONE Classic) im Monat, fast das Vierfache. Bei der Boutique mit 65-€-Bons spart ein girocard-Spezialtarif wie speedy pay classic rund 42 € monatlich gegenüber der 1,39-%-Flat.
- Steht Dein Terminal fest an der Theke, kannst Du Dir den SIM-Aufpreis sparen; sinnvoll ist Mobilfunk nur als Ausfall-Reserve oder für zusätzliche Marktstände und Pop-up-Flächen.
Kiosk und Boutique stehen im selben Branchenverzeichnis, kassieren aber in zwei völlig verschiedenen Welten. Der eine nimmt 300 Mal im Monat Beträge um 8 € ein, die andere 100 Mal um 65 €. Im Einzelhandel entscheidet nicht der niedrigste Prozentsatz über Deine Terminal-Kosten, sondern Deine Bon-Höhe. Bei kleinen Bons treiben Cent-Gebühren und Mindest-Disagios die Kosten, bei großen Bons ist es der Prozentsatz selbst. Dieser Guide rechnet beide Fälle mit geprüften Konditionen durch (Stand 05.07.2026).
Kostenrechner
Was kostet Kartenzahlung bei deinem Umsatz?
Der Rest läuft als Kreditkarte. Im deutschen Handel sind 60–80 % girocard typisch.
Gesamtkosten pro Monat = Grundgebühr + Disagio auf deinen Kartenmix + Transaktionsgebühren, Gerätepreis anteilig auf 24 Monate umgelegt. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand der Konditionen siehe Anbieterseite.
Zwei Welten im selben Einzelhandel
Ein Späti liegt beim Durchschnittsbon typischerweise zwischen 5 und 15 €, dafür läuft das Terminal im Minutentakt. Eine Boutique oder ein Fachgeschäft verkauft seltener, dann aber mit Bons von 50 bis 120 €. Das ist der entscheidende Unterschied für die Gebührenrechnung: Feste Cent-Beträge pro Transaktion fressen sich prozentual in jeden Mini-Bon hinein, auf einem 65-€-Bon fallen sie kaum ins Gewicht. Dort zählt stattdessen jeder Zehntel-Prozentpunkt Disagio. Bevor Du Anbieter vergleichst, brauchst Du also zwei Zahlen: Deinen Monatsumsatz über Karte und Deinen Durchschnittsbon. Einen Überblick über alle geprüften Anbieter findest Du im Anbieter-Vergleich. Kassierst Du Gäste am Tisch statt Kunden an der Theke, gelten übrigens andere Regeln, die rechnet der Ratgeber Kartenzahlung in der Gastronomie durch.
Kiosk und Späti: Wenn Cent-Beträge zum Kostentreiber werden
Bei einem 8-€-Bon sind zwei Bausteine aus dem Kleingedruckten gefährlich. Erstens die Stückgebühr: Der PAYONE Classic Tarif berechnet 0,08 € je Transaktion, speedy pay classic 0,079 €. Auf dem 8-€-Bon entspricht das jeweils rund einem vollen Prozentpunkt zusätzlich zum Disagio. Zweitens das Mindest-Disagio, die eigentliche Falle: PAYONE setzt im Classic Tarif mindestens 0,25 € pro Transaktion an. Auf einem 8-€-Bon sind das 0,25 ÷ 8 = rund 3,1 %, obwohl der girocard-Satz nominell bei 0,26 % liegt. Mit Stückgebühr zahlst Du auf diesen Bon effektiv über 4 %. Der aktuelle Nexi-SmartPay-Aktionstarif mit 0,40 € Mindestentgelt kommt sogar auf glatte 5 %. Für Hochfrequenz-Läden passen deshalb reine Prozent-Tarife ohne solche Cent-Bausteine, etwa SumUp mit 1,39 %, ready2order mit 1,23 % oder ZahlungsWERK mit 0,69 % plus Miete. Ein Detail für Rechner-Fans: Im Tarif SumUp One (19 €/Monat, 0,79 % auf girocard und Debit) sind Zahlungen bis 10 € gebührenfrei; ob sich das trägt, zeigt nur Deine eigene Bon-Verteilung. Wie die Gebühren-Bausteine zusammenspielen, erklärt der Ratgeber Kartenzahlung-Gebühren.
Boutique und Fachgeschäft: Hier regiert der Prozentsatz
Bei 65 € Durchschnittsbon dreht sich das Bild. Eine Stückgebühr von 0,079 € macht hier nur noch 0,12 Prozentpunkte aus und ist fast egal. Dafür schlägt jeder Prozentpunkt Disagio voll durch: 1,39 % auf 65 € sind 0,90 € pro Verkauf, 0,25 % nur 0,16 €. Genau hier spielen girocard-Spezialtarife ihre Stärke aus, denn im deutschen Einzelhandel läuft ein Großteil der Kartenzahlungen über girocard. speedy pay classic berechnet laut Anbieter 0,25 % auf girocard (Debitkarten 0,89 %, Kreditkarten 1,19 %, plus 0,079 € je Transaktion bei 9,95 €/Monat). PAYONE liegt im Classic Tarif bei 0,26 % girocard und 1,49 % Kreditkarten. Aber Vorsicht: Wegen des Mindest-Disagios von 0,25 € greift der 0,26-%-Satz rechnerisch erst ab einem Bon von rund 96 € (0,25 ÷ 0,0026). Bei 65-€-Bons zahlst Du auf jede girocard-Zahlung faktisch das Minimum. Der Satz auf dem Papier und der Satz auf Deiner Abrechnung sind zwei verschiedene Dinge, deshalb unten beide Szenarien im Detail.
Stationäre Theke: Den SIM-Aufpreis kannst Du Dir sparen
Anders als in der Gastronomie wandert das Terminal im Laden nicht durch den Raum. Es steht neben der Kasse, mit Strom und LAN oder stabilem WLAN. Ein Mobilfunk-Terminal mit SIM ist dann ein Aufpreis ohne Gegenwert: Bei ZahlungsWERK kostet das stationäre Verifone P630 12,50 €/Monat Miete, das mobile V400m mit SIM 15,50 €/Monat, das A920 Pro 17,95 €/Monat. Bei PAYONE kostet das SIM-Gerät in der All Card Flat 8 €/Monat Aufschlag, bei SumUp liegt das WLAN-Gerät Solo Lite bei einmalig 39 €, das Solo mit SIM bei 79 €. Über die Vertragsdauer summiert sich der SIM-Aufpreis auf einen Betrag, den ein Ladengeschäft mit fester Theke schlicht nicht braucht. Sinnvoll ist die SIM nur als Ausfall-Reserve bei wackliger Leitung oder wenn Du zusätzlich auf Wochenmärkten und Pop-up-Flächen verkaufst.
Sechs Tage geöffnet: Support gehört auf die Checkliste
Wer sechs oder sieben Tage die Woche öffnet, kann sich am Samstagnachmittag kein totes Terminal leisten. Prüfe deshalb vor Vertragsschluss, wann und auf welchen Kanälen der Anbieter erreichbar ist und wie schnell ein Austauschgerät kommt. Einen Anhaltspunkt liefert die öffentliche Bewertungslage: SumUp steht auf Trustpilot bei 4,2 von 5 aus über 44.000 Bewertungen, ready2order bei 4,4 aus 557 (der Score gilt fürs gesamte Kassensystem, die Verteilung ist stark zweigeteilt). PAYONE liegt bei 3,6 aus rund 1.300 Bewertungen mit polarisiertem Bild, im kritischen Block tauchen wiederholt Warteschleifen und verschleppte Kündigungen auf. Zu ZahlungsWERK existiert als jungem Anbieter noch keine belastbare öffentliche Bewertungshistorie. Solche Scores sind natürlich kein Urteil, aber sie zeigen Dir immerhin, welche Fragen Du dem Vertrieb vor der Unterschrift stellen solltest.
Warenwirtschaft und Kasse: Betrag automatisch ans Terminal
Arbeitest Du mit Kassensystem und Warenwirtschaft, etwa mit Barcode-Scanning und Bestandsführung, lohnt sich der Blick auf Terminals, die den Zahlbetrag direkt aus der Kasse übernehmen. Das verhindert Tippfehler an der Theke und hält den Tagesabschluss sauber. Zwei Anbieter aus unserem Vergleich kommen selbst aus der Kassenwelt: speedy pay als Payment-Modul des Kassenherstellers speedy, und ready2order mit dem readyMini für einmalig 279 €, bei dem Kasse und Terminal in einem Gerät stecken (1,23 % pro Zahlung, keine Grundgebühr). Nutzt Du schon eine Kasse, dreh die Reihenfolge lieber um: erst klären, welche Terminals sie anbinden kann, dann den Zahlungsanbieter wählen.
Die Einzelhandels-Szenarien im Überblick
| Szenario | Kostentreiber | Worauf achten | Beispiele aus dem Vergleich |
|---|---|---|---|
| Kiosk / Späti (Bon 5 bis 15 €) | Stückgebühren und Mindest-Disagios | Reiner Prozent-Tarif ohne Cent-Beträge pro Transaktion | SumUp (1,39 %), ready2order (1,23 %), ZahlungsWERK (0,69 % + Miete) |
| Boutique / Fachgeschäft (Bon 50 bis 120 €) | Prozentsatz, v. a. auf girocard | girocard-Spezialtarif, aber Mindest-Disagio gegen Bon-Höhe rechnen | speedy pay classic (0,25 % girocard), ZahlungsWERK (0,69 % pauschal) |
| Laden mit fester Theke | Unnötiger SIM-Aufpreis | Stationäres oder WLAN-Gerät reicht | ZahlungsWERK P630 (12,50 €/Monat), SumUp Solo Lite (39 € einmalig) |
| Laden mit Kassensystem / Warenwirtschaft | Manuelle Tippfehler, doppelte Pflege | Terminal mit Kassen-Anbindung | speedy pay, ready2order readyMini |
Zwei Beispiel-Rechnungen mit echten Konditionen
Beide Rechnungen folgen dem Modell des Rechners oben: Kartenumsatz mal Disagio, plus Stückgebühr mal Transaktionen, plus Grundgebühr. Alle Sätze stammen aus den von uns geprüften Tarifdaten.
Fall 1: Kiosk mit 2.500 € Kartenumsatz, Durchschnittsbon 8 €
Das sind rund 313 Kartenzahlungen im Monat. SumUp Solo Lite: 2.500 € × 1,39 % = 34,75 €/Monat, dazu einmalig 39 € fürs Gerät. ready2order readyMini: 2.500 € × 1,23 % = 30,75 €/Monat bei einmalig 99 €. ZahlungsWERK mit dem stationären P630: 2.500 € × 0,69 % = 17,25 € plus 12,50 € Miete, zusammen 29,75 €/Monat, monatlich kündbar. Zum Anbieter ZahlungsWERK Zur Einordnung noch die Gegenrechnung: Liefen alle 313 Zahlungen als girocard über den PAYONE Classic Tarif, würde auf jedem 8-€-Bon das Mindest-Disagio greifen. Macht 313 × 0,25 € = 78,25 €, plus 313 × 0,08 € = 25,04 € Stückgebühren, plus 12,90 € Grundgebühr (36 Monate Laufzeit): über 116 €/Monat für denselben Umsatz. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Modell dieser Rechnung liegt damit fast das Vierfache.
Fall 2: Boutique mit 7.000 € Kartenumsatz, Durchschnittsbon 65 €
Das sind rund 108 Kartenzahlungen im Monat. Annahme für die girocard-Tarife, bitte mit Deinem Mix abgleichen: 70 % des Umsatzes laufen über girocard (4.900 €, rund 75 Zahlungen), 30 % über Kreditkarte (2.100 €, rund 33 Zahlungen). speedy pay classic: 4.900 € × 0,25 % = 12,25 € plus 2.100 € × 1,19 % = 24,99 € plus 108 × 0,079 € = 8,53 € Stückgebühren plus 9,95 € Grundgebühr, zusammen 55,72 €/Monat. ZahlungsWERK kartenunabhängig: 7.000 € × 0,69 % = 48,30 € plus 12,50 € Miete, also 60,80 €/Monat. Beim PAYONE Classic Tarif greift auf dem 65-€-Bon das Mindest-Disagio: 75 × 0,25 € = 18,75 € statt nominell 12,74 €, plus 2.100 € × 1,49 % = 31,29 €, plus 108 × 0,08 € = 8,64 €, plus 12,90 € Grundgebühr, macht 71,58 €/Monat. SumUp Solo Lite als Flat-Vergleich: 7.000 € × 1,39 % = 97,30 €/Monat ohne Fixkosten. Zum Anbieter SumUp Zwischen Flat-Tarif und girocard-Spezialtarif liegen hier rund 42 € im Monat, aufs Jahr etwa 500 €. Dafür bindet Dich der Spezialtarif an Grundgebühr und Vertrag, das Kaufgerät kommt ohne Fixkosten aus.
Häufige Fragen zur Kartenzahlung im Einzelhandel
Welches Kartenlesegerät passt für einen Kiosk oder Späti?
Eines ohne Stückgebühr und ohne Mindest-Disagio. Bei Bons unter 15 € machen schon 0,08 € pro Transaktion rund einen Prozentpunkt aus, ein Mindest-Disagio von 0,25 € auf einem 8-€-Bon rund 3,1 %. Reine Prozent-Tarife wie SumUp (1,39 %), ready2order (1,23 %) oder ZahlungsWERK (0,69 % plus Miete) vermeiden beides.
Lohnt sich ein girocard-Spezialtarif für eine Boutique?
Oft ja, wenn der Bon hoch genug ist und viel girocard gezahlt wird: In unserer 7.000-€-Rechnung mit 65-€-Bon liegt speedy pay classic rund 42 €/Monat unter dem Flat-Tarif. Prüfe aber das Mindest-Disagio: Bei PAYONE greift der girocard-Satz von 0,26 % rechnerisch erst ab etwa 96 € Bon-Höhe.
Was ist ein Mindest-Disagio und warum trifft es kleine Bons?
Ein Mindestbetrag pro Kartenzahlung, der greift, wenn das prozentuale Disagio darunter läge. Beispiel PAYONE Classic: 0,26 % von 8 € wären 0,02 €, berechnet werden aber mindestens 0,25 €, also effektiv rund 3,1 %. Je kleiner der Bon, desto härter wirkt das Minimum. Mehr dazu: Kartenzahlung-Gebühren.
Kann ich das Terminal an meine Kasse oder Warenwirtschaft anbinden?
Ja, wenn Terminal und Kassensystem zusammenpassen. Lösungen wie speedy pay oder der readyMini von ready2order übernehmen den Betrag automatisch aus der Bonierung und schließen Tippfehler aus. Arbeitest Du schon mit einer Kasse, kläre zuerst deren Terminal-Schnittstellen, dann den Zahlungsanbieter.