9.07.2026 · Von Tobias Rehermann
Bargeld kostet auch Geld: Was Kassieren laut Bundesbank wirklich kostet

Kurz zusammengefasst:
- Die Bundesbank-Studie 2025 liefert zwei Wahrheiten zugleich: Gemessen am Umsatz kostet Bargeld den Einzelhandel 2,3 %, die girocard nur 0,8 %. Je einzelner Transaktion ist Bargeld mit 0,43 € dagegen günstiger als die girocard mit 0,60 €. Wer Dir nur eine der beiden Zahlen zeigt, will Dich in eine Richtung schieben.
- Gratis ist Bargeld in keiner Rechnung: Der größte Posten ist laut Bundesbank der Zeitaufwand mit 0,26 € je Barzahlung, dahinter stecken im Schnitt 17 Minuten je Kassenabrechnung und rund 17 € je Bargeld-Entsorgungsvorgang. Diese Kosten tauchen nur auf keiner Gebührenabrechnung auf.
- Fair bleibt: Bei kleinen Bons und kleinen Volumina rechnet sich Bargeld oft weiter, laut der von der Bundesbank zitierten Zahlungsverhaltensstudie werden 76 % der Umsätze unter 5 € bar bezahlt, und Schauergeschichten wie Falschgeld oder Kassendifferenzen sind als Kostenblock winzig.
- Das Fazit lautet nicht „Bargeld abschaffen“, sondern rechnen: Leg die 2,3 % Bargeldkosten neben Deine tatsächlichen Kartenkonditionen statt neben eine gefühlte Null.
„Bargeld nehmen kostet mich nichts, bei Karte zahle ich Gebühren.“ Diesen Satz hört man hinter fast jeder Ladentheke. Er klingt plausibel: Für Kartenzahlung bekommst Du eine Abrechnung, für Bargeld nicht. Nur hat die Deutsche Bundesbank eben nachgemessen, was Kassieren tatsächlich kostet. Das Ergebnis der Bundesbank-Studie 2025: Bargeld kostet den Einzelhandel 2,3 % vom Barumsatz, die girocard nur 0,8 % vom Kartenumsatz. Je einzelner Transaktion ist Bargeld mit 0,43 € allerdings günstiger als die girocard mit 0,60 €. Beide Zahlen stimmen. Wer Dir nur eine davon zeigt, will Dich in eine Richtung schieben. Hier bekommst Du beide Perspektiven, die versteckten Bargeld-Posten und die Fälle, in denen Bargeld günstiger bleibt. Stand 05.07.2026.
Eine Hälfte der Rechnung kannst Du sofort klären: Der Rechner zeigt Dir, was Kartenzahlung bei Deinem Umsatz monatlich kosten würde.
Kostenrechner
Was kostet Kartenzahlung bei deinem Umsatz?
Der Rest läuft als Kreditkarte. Im deutschen Handel sind 60–80 % girocard typisch.
Gesamtkosten pro Monat = Grundgebühr + Disagio auf deinen Kartenmix + Transaktionsgebühren, Gerätepreis anteilig auf 24 Monate umgelegt. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand der Konditionen siehe Anbieterseite.
Der Mythos vom Gratis-Bargeld
Bargeld verursacht keine Rechnung, aber Arbeit: Wechselgeld besorgen, Kassen zählen, Abrechnungen schreiben, Einnahmen zur Bank bringen. Diese Arbeitszeit hat die Bundesbank zweimal systematisch erfasst. Die gemeinsame Studie von Bundesbank und EHI Retail Institute von 2019 (Erhebung 2017, 3.125 Zeitmessungen an realen Kassen) kam auf 0,24 € je Barzahlung, was 1,80 % des Barumsatzes entsprach.
Ende November 2025 hat die Bundesbank nachgelegt, mit rund 13.000 Zeitmessungen und einer Befragung von 268 Einzelhandelsunternehmen. Der aktuelle Wert: 0,43 € je Barzahlung, 2,3 % vom Barumsatz. Zur Einordnung: Die Bundesbank rechnet neben direkten Ausgaben auch den bewerteten Zeitaufwand Deines Personals mit ein, rein monetäre Methodiken kommen auf niedrigere Werte. Gratis ist Bargeld aber in keiner Rechnung.
Die Zahlen im Überblick: zwei Perspektiven, zwei Sieger
Die Kosten je Zahlungsmittel aus der Bundesbank-Studie 2025, bewusst in beiden Betrachtungen:
| Zahlungsmittel | Kosten je Transaktion | Kosten in % vom Umsatz |
|---|---|---|
| Bargeld | 0,43 € | 2,3 % |
| girocard | 0,60 € | 0,8 % |
| Visa/Mastercard Debit | 0,69 € | 2,1 % |
| Kreditkarten | 1,00 € | 2,4 % |
Quelle: Deutsche Bundesbank, „Kosten von Zahlungsmitteln im Einzelhandel“, November 2025.
Wie kann Bargeld gleichzeitig günstiger und teurer sein? Die Antwort steckt im durchschnittlichen Bon. Mit Bargeld werden vor allem kleine Beträge bezahlt: Bei Bundesbank/EHI 2019 lag der durchschnittliche Barbon bei 13,48 €, der girocard-Bon bei 49,03 €. Die Kosten einer Barzahlung verteilen sich also auf viel weniger Umsatz, dadurch steigt der Prozentwert. Für Deine Kalkulation heißt das: Bei kleinen Bons rechnet sich Bargeld, bei großen Bons die girocard. Kreditkarten und internationale Debitkarten sind laut Bundesbank 2025 in beiden Betrachtungen teurer als die girocard.
Die versteckten Posten: wo Bargeldkosten entstehen
Der größte Einzelposten der Bargeldkosten ist laut Bundesbank 2025 der Zeitaufwand: 0,26 € je Transaktion, umgerechnet 1,4 % vom Barumsatz. Bei Karten dominieren dagegen die Gebühren, bei der girocard mit 0,18 € je Transaktion aber auf niedrigerem Niveau. Was hinter dem Bargeld-Zeitaufwand steckt, hatte die Bundesbank/EHI-Studie 2019 im Detail vermessen:
- Kassenabrechnung: Im Schnitt 17 Minuten je Kassenabrechnung für Zählen, Abstimmen und Dokumentieren, bei Filialunternehmen 21 Minuten. Jeden Tag, für jede Kasse.
- Bargeldentsorgung: Durchschnittlich 17 € je Entsorgungsvorgang inklusive Wechselgeldversorgung. Die Bandbreite reicht von rund 12,50 € bei Eigenentsorgung bis 35 bis 45 € je Vorgang beim Wertdienstleister.
- Wechselgeld: Große Filialisten zahlten über Wertdienstleister im Schnitt 9 Cent je Münzrolle. Kleine Händler am Bankschalter zahlen deutlich mehr, ein Beispielpreis: Die Sparkasse Offenbach verlangt laut Preisaushang (Stand 29.04.2026) 0,55 € je Rolle am Schalter, 0,50 € am Automaten. Ein Einzelbeispiel, kein Marktdurchschnitt.
Diese Posten tauchen auf keiner Gebührenabrechnung auf. Sie stecken in Personalstunden und Bankentgelten. Genau deshalb hält sich der Gratis-Mythos so hartnäckig.
Die Zeit an der Kasse: Wallet vor Bargeld vor PIN
Auch der Bezahlvorgang selbst kostet Zeit. Die Bundesbank hat 2022 rund 13.000 Zahlungen gestoppt: Am schnellsten ist das Smartphone oder die Smartwatch mit durchschnittlich 14 Sekunden, Bargeld liegt bei etwa 19 Sekunden, Kartenzahlung mit PIN-Eingabe bei rund 26 Sekunden. Bargeld ist an der Kasse also flotter als die klassische PIN-Zahlung, aber langsamer als kontaktloses Bezahlen per Wallet.
Die Studie liefert gleich einen Caveat gegen Überdramatisierung mit: Die Kassierzeiten machen über alle Zahlungsmittel hinweg nur rund 30 % der gesamten Zeitkosten aus. Der größere Teil entsteht davor und danach, beim Zählen, Abrechnen und auf dem Weg zur Bank. Wer nur auf die Sekunden an der Kasse schaut, unterschätzt die Bargeld-Nacharbeit.
Fair bleiben: wo Bargeld günstiger ist
Dieser Artikel ist kein Plädoyer gegen Bargeld, und die Zahlen geben das auch nicht her. Drei Punkte sprechen für die Barkasse:
Je Transaktion liegt Bargeld vorn. Die Bundesbank-Pressenotiz vom 28.11.2025 trägt den Titel „Zahlungen mit Bargeld und Girocard für Einzelhandel am günstigsten“. Bei Kleinbeträgen dominiert Bargeld ohnehin: Laut der in der Studie zitierten Zahlungsverhaltensstudie der Bundesbank werden 76 % der Umsätze unter 5 € bar bezahlt. Bargeld kennt zudem kein umsatzabhängiges Disagio, ein großer Teil der Kosten ist Eigenleistung, die bei kleinen Volumina in ohnehin vorhandener Arbeitszeit aufgeht. Transaktionsgebühren und Investitionskosten bleiben laut Bundesbank 2025 gerade für kleine Betriebe eine Hürde bei der Kartenakzeptanz.
Die Schauergeschichten sind klein. Kassendifferenzen lagen laut Bundesbank/EHI 2019 saldiert bei weniger als 0,1 Promille des täglichen Barumsatzes, und den Posten Versicherung und Verlust beziffert die Bundesbank 2025 auf 0,01 € je Bartransaktion. Auch Falschgeld ist gesamtwirtschaftlich überschaubar: 2025 zog die Bundesbank knapp 68.000 falsche Banknoten mit einer Schadenssumme von rund 4 Millionen € ein. Für den einzelnen Betroffenen ist der Schein zwar ein Totalverlust, ein kalkulationsrelevanter Kostenblock ist Falschgeld für die meisten Händler aber nicht.
Die Bundesbank selbst will Bargeld erhalten. Sie bekennt sich zur Bargeldstrategie des Eurosystems und führt seit Februar 2024 das Nationale Bargeldforum. Die Studienautoren rechnen Bargeld also nicht schlecht, sie machen nur die Kosten sichtbar, die vorher niemand beziffert hat.
Und was kostet Karte konkret bei Dir?
Die Bundesbank-Werte sind Durchschnitte über den gesamten Einzelhandel. Deine Kartenkosten hängen von Deinem Tarif ab, und die Spannen sind erheblich, wie unser Ratgeber zu den Kartenzahlung-Gebühren zeigt. Ein Rechenbeispiel aus unseren geprüften Konditionen (Stand 03.07.2026): Beim SumUp Standard-Tarif zahlst Du 1,39 % je Zahlung ohne Grundgebühr, bei 5.000 € Kartenumsatz im Monat also 69,50 €. Im Tarif SumUp One (19 € monatlich) sinkt die girocard-Gebühr auf 0,79 %, dieselben 5.000 € kosten dann 39,50 € plus Grundgebühr, zusammen 58,50 €. Alle geprüften Tarife findest Du in der Anbieter-Übersicht, Dein persönliches Ergebnis liefert der Rechner oben.
Fazit: nicht abschaffen, sondern rechnen
Die Lehre aus den Bundesbank-Zahlen lautet nicht „schafft das Bargeld ab“, sondern: Beide Zahlwege kosten Geld, nur steht es beim Bargeld auf keiner Rechnung. Wer über Kartenakzeptanz nachdenkt, etwa mit Blick auf die Debatte um eine Kartenzahlungspflicht, sollte die 2,3 % Bargeldkosten neben die eigenen Kartenkonditionen legen statt neben eine gefühlte Null. Bei kleinen Bons und kleinen Volumina bleibt Bargeld oft günstiger, bei wachsendem Kartenanteil entscheidet der Tarif. Beides lässt sich rechnen.
Häufige Fragen zu den Kosten von Bargeld
Was kostet Bargeld den Einzelhandel laut Bundesbank?
Nach der Bundesbank-Studie von November 2025 kostet eine Barzahlung den Handel durchschnittlich 0,43 €, bezogen auf den Barumsatz 2,3 %. In der Vorgängerstudie von Bundesbank und EHI aus 2019 (Datenbasis 2017) waren es 0,24 € je Transaktion und 1,80 %. Enthalten sind neben direkten Ausgaben auch die bewerteten Zeitkosten für Zählen, Abrechnen und Entsorgen.
Ist Bargeld oder Kartenzahlung für Händler günstiger?
Das hängt von der Betrachtung ab. Je Transaktion ist Bargeld laut Bundesbank 2025 mit 0,43 € günstiger als die girocard mit 0,60 €. Gemessen am Umsatz dreht sich das Bild: 2,3 % gegenüber 0,8 %, weil Barzahlungen im Schnitt viel kleinere Beträge betreffen. Bei kleinen Bons spricht die Rechnung eher für Bargeld, bei hohen Bons eher für die girocard.
Welche versteckten Kosten hat Bargeld?
Der größte Posten ist Arbeitszeit: Die Bundesbank/EHI-Studie 2019 maß im Schnitt 17 Minuten je Kassenabrechnung, die Bundesbank 2025 beziffert den gesamten Zeitaufwand auf 0,26 € je Bartransaktion. Dazu kommen die Bargeldentsorgung mit durchschnittlich 17 € je Vorgang und die Wechselgeldbeschaffung, für die Banken je nach Institut Rollengebühren berechnen, im Beispiel der Sparkasse Offenbach 0,55 € je Münzrolle am Schalter.
Wie schnell ist Bezahlen mit Bargeld im Vergleich zur Karte?
Nach den Bundesbank-Zeitmessungen von 2022 dauert eine Zahlung mit Smartphone oder Smartwatch durchschnittlich 14 Sekunden, mit Bargeld etwa 19 Sekunden und mit Karte samt PIN-Eingabe rund 26 Sekunden. Bargeld liegt also in der Mitte. Die Kassierzeit ist aber nur ein Teil der Wahrheit, sie macht laut Studie nur rund 30 % der gesamten Zeitkosten aus.
Wie groß ist das Risiko durch Falschgeld und Kassendifferenzen?
Kleiner als oft behauptet. Kassendifferenzen lagen laut Bundesbank/EHI 2019 saldiert unter 0,1 Promille des täglichen Barumsatzes, Versicherung und Verluste beziffert die Bundesbank 2025 auf 0,01 € je Bartransaktion. Beim Falschgeld registrierte die Bundesbank für 2025 knapp 68.000 falsche Banknoten mit rund 4 Millionen € Schaden. Ärgerlich im Einzelfall, da Falschgeld ersatzlos eingezogen wird, aber kein großer Kostenblock.